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Abbruchstimmung

Sein Studium hinzuschmeißen, daran denkt jeder einmal. Mike Bolz aber macht ernst. Ehe sie sich von ihrem Fach trennt, hat sie sich intensiv mit dem Phänomen Studienabbruch beschäftigt.

Illustration: Luise Schricker

Illustration: Luise Schricker

Schon im ersten Semester dachte ich: Die Islamwissenschaft und ich, wir passen wohl nicht so recht zusammen. In der Schule war ich nie eine Schwänzerin, doch an der FU ertappte ich mich schon bald dabei, wie ich das eine oder andere Seminar sausen ließ, Vorlesungen bereits nach 30 Minuten verließ oder gleich mehrere Tage überhaupt nicht in die Uni ging. Da mir aber versichert wurde, dass das erste Semester immer das langweiligste sei, hielt ich durch und machte weiter.

Es wurde nicht besser. Trotzdem fand ich stets Gründe dafür, mein Studium fortzusetzen – bis jetzt. Denn jetzt ist wirklich Schluss! Drei Semester sind genug! Ein Studium soll voranbringen und Freude bereiten. Aber was kommt danach? Breche ich nun komplett das Studieren ab oder wechsele ich die Fachrichtung? Mich plagen die Zweifel.

Ich bin nicht allein. Laut Statistischem Bundesamt haben 2010 in Berlin nur 34 Prozent der Studienabsolventen ihr Erststudium bis zum Bachelor durchgezogen. Aufgrund der Bologna-Reform und des uns stets vorgehaltenen Mangels an Studien- und Arbeitsplätzen steigt der Leistungsdruck von Jahr zu Jahr. Das Einhalten der Regelstudienzeit und der „roten Faden“ im Lebenslauf gelten als wünschenswert. Der Durchschnittsstudierende hat im Jahr 2011 mit 26,6 Jahren die Universität verlassen.

Hängt es vielleicht vom Fach ab, ob man dran bleibt oder nicht? Das größte Durchhaltevermögen hatten 2010 die Humanmediziner: 94,9 Prozent von ihnen schlossen ihr Studium ab. Bei den Mathematikern waren es 64,4 Prozent. Kreative Köpfe wie die Kunststudierenden haben mit 84,1 Prozent ebenfalls eine relativ hohe Erfolgsquote. Durchschnittlich erreichten in allen Studiengängen 74,9 Prozent der Studienanfänger den Abschluss, errechnete das Statistische Bundesamt. Doch auch die Dauer des Studiums hat Einfluss darauf, wie heftig man an ihm zweifelt. Wie die Studienberatungsstelle der FU bestätigt, nagt die Unsicherheit über die Wahl des eigenen Studiengangs vor allem in den ersten zwei Semestern an der Motivation.

Was die Studienabbruchsquote im internationalen Vergleich betrifft, liegt Deutschland laut StatistischemBundesamt im Mittelfeld. Im Durchschnitt haben hier im Jahr 2010 etwa 33 Prozent der Studierenden die Universität ohne Abschluss verlassen. Schlusslicht sind die USA mit einer Abbruchsquote von 54 Prozent; die konsequentesten Studierenden leben in Japan. Dort sind 2010 nur zehn Prozent der Studienanfänger ohne Abschluss geblieben.

Natürlich helfen Statistiken in der individuellen Situation nicht weiter. Eher noch die Erkenntnis: Ein Studienabbruch ist alles andere als ein Genickbruch. Ich wäre in guter Gesellschaft mit Bill Gates, Mark Zuckerberg, Steve Jobs und Heinrich von Kleist – und die waren oder sind erfolgreicher als so mancher mit einem Bachelor, Master oder Diplom in der Tasche. Ein Studienabbruch kann auch bedeuten, Lebenserfahrung zu sammeln.

Genau das werde ich versuchen. Ich werde mir ein Jahr Auszeit gönnen und die Welt bereisen. Vielleicht kommt mir dabei ja eine Eingebung, die mir zeigt, welchen Weg ich gehen soll.

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