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Der Mensch macht Epoche

Strände aus Plastik, Fleisch aus dem Labor – Geologen fragen sich nun, ob es genügend Gründe gibt, ein neues Zeitalter auszurufen: das Anthropozän, das Zeitalter der Menschen. Von Fan Ye und Josta van Bockxmeer

Illustration: Luise Schricker

Ein monotones Brummen irritiert das Trommelfell. Dann steigt die Pilzwolke auf. Obwohl ihr Anblick eigentlich bekannt ist, schockiert sie: die Atombombe. Ein Film über sie ist derzeit im Rahmen der Ausstellung „The Whole Earth“ im Haus der Kulturen der Welt zu sehen. Die Atombombe ist vielleicht das beste Zeugnis davon, wie der Mensch Natur und Umwelt beeinflusst hat.

Im „Anthropozän“ ist der Mensch der wichtigste Einflussfaktor auf unserem Planeten. Der Begriff stammt von dem Nobelpreisträger für Chemie, Paul Crutzen. Er schlug vor, das Anthropozän als Nachfolge-Erdzeitalter des Holozäns einzuführen, das vor mehr als 11.000 Jahren begann. Es wäre wahrhaft der Beginn einer neuen Erd-Epoche. 2017 soll die „International Commission on Stratigraphy“ über den Vorschlag entscheiden.

Im Haus der Kulturen der Welt diskutieren Wissenschaftler und Künstler im Rahmen des „Anthropozän-Projekts“ darüber, was die Einführung des Begriffes für die Gesellschaft bedeuten würde. Die Ausstellung „The Whole Earth“ ist Teil einer zweijährigen Reihe von Konferenzen und Ausstellungen.

Auch an der Freien Universität denkt man bereits über das neue Zeitalter nach. Reinhold Leinfelder, Professor für Paläontologie und Geobiologie an der FU, sitzt im Leitungsteam des Anthropozän-Projekts. In seinem hellen Arbeitszimmer auf dem Campus Lankwitz erläutert er die Relevanz des Begriffes „Anthropozän“.

„Bereits 77 Prozent der eisfreien Erde sind vom Menschen so benutzt worden, dass sie nicht mehr als Urnatur bezeichnet werden können“, sagt Leinfelder. Der Einfluss des Menschen sei nicht mehr wegzudenken, geschweige denn zu widerrufen. Das Anthropozän bedeute für ihn auch ein systematisches Umdenken: Die Trennung zwischen Mensch und Natur werde aufgehoben.

Die Macht, die der Mensch über die Natur ausübt, könne „ins Positive gedreht werden“, sagt Leinfelder. Dabei gehe es nicht darum die Erde komplett nach unserem Willen zu gestalten, sondern anzuerkennen, dass sie ein komplexes System ist und es viele Umweltprobleme keine einfachen Lösungen gibt. Er plädiert für das „Vorsorgeprinzip“: Der Mensch soll Räume schaffen, in denen die Natur sich erholen kann.

Was die Vorsorge an der FU betrifft, platzt Leinfelder geradezu vor Ideen: Er möchte ein Urban-Gardening-Projekt starten, an dem sich Studierende beteiligen können. Auch ist er im Gespräch über den Aufbau einer interdisziplinären Anthropozän-Arbeitsgruppe, die zu dem Thema lehren und forschen soll. Die institutionellen Hindernisse entmutigen ihn nicht: „Ich bin inzwischen an meiner fünften Universität. Ich gebe da nicht so schnell auf.“ Das ist der Geist des Zeitalters: Der Mensch gestaltet seine Welt.

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