Kunst aus der Box | FURIOS Online
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Kunst aus der Box

Eine Berliner Galerie macht auf die Lebensbedingungen von jungen Schuhputzern in Äthiopien aufmerksam. Auch ein Mitarbeiter der FU stellt aus. Von Inga Stange und Julia Brakel

Bis zur Decke stapeln sich in der der Galerie „Listros“ Schuhputzkisten wie diese. Foto: Cora-Mae Gregorschewski

Bis zur Decke stapeln sich in der der Galerie Listros Schuhputzkisten wie diese. Foto: Cora-Mae Gregorschewski

Bis zur Decke stapeln sich die vielen kleinen Holzkisten an den Wänden der Berliner Galerie Listros. Wer genauer hinsieht, erkennt in ihnen Schuhputzboxen. Alle aus altem Holz und ähnlich groß. Ihre ehemaligen Besitzer, Jugendliche aus Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba, haben sie selbst zusammengebaut und auf ihnen die Schuhe unzähliger Passanten geputzt. Hinter jeder einzelnen  Box steckt eine Geschichte – in der Galerie Listros findet sie nun Gehör.

Vor zehn Jahren gründete der gebürtige Äthiopier Dawit Shanko die Galerie Listros und den gleichnamigen gemeinnützigen Verein in Berlin. „Listros“ werden in Äthiopien meist noch sehr junge Menschen genannt, die sich durch das Schuhputzen ihren Lebensunterhalt finanzieren. Auch Dawit Shanko hat sich so neben der Schule etwas dazu verdient. Nach Deutschland kam er als 17-Jähriger mit einem Stipendium.

„Der Verein Listros möchte die Sicht auf Äthiopien in eine positivere Richtung lenken“, beschreibt der 46-Jährige sein Ziel. „Außerdem sollen die Schuhputzer für ihre harte Arbeit Anerkennung erhalten, unterstützt werden und genauso als Zukunft Äthiopiens angesehen werden wie die so genannte Elite.“ Obwohl die jungen Schuhputzer zum alltäglichen Straßenbild in Addis Abeba gehörten, sei ihr Dasein von Vorurteilen und einem Leben am Rande der Gesellschaft geprägt. Listros engagiert seit einigen Jahren Mentoren, die in zehn Schulen den Schülern helfen, Arbeit und Lernen miteinander zu vereinbaren.

Während der Verein vor Ort in Äthiopien  mit lokalen Akteuren arbeitet, konzentriert sich die Galerie in Berlin auf Kunst mit afrikanischem Kontext. Christophe Ndabananiye nutzte diese Ausrichtung. Der 36-Jährige ist wissenschaft- licher Mitarbeiter in der Abteilung Kunst Afrikas am kunsthistorischen Institut der Freien Universität Berlin. Christophe kommt aus Ruanda; dort hat er in der Hauptstadt Kigali an einer Kunstschule studiert. Nach dem Genozid der Hutu an den Tutsi im Jahr 1994 verließ er das Land, kam nach Deutsch- land und begann, freie Kunst in Saarbrücken zu studieren.

Unter dem Titel „Überreste“ zeigt er in der Galerie nun Fotografien und mit Bootslack gemalte Bilder aus Ruanda. „2011 bin ich ein weiteres Mal nach Ruanda zurückgekehrt“,  berichtet  er. „Meine Werke handeln von den Eindrücken und Erlebnissen dieses Besuchs.“ Die Arbeit mit Bootslack gebe ihm die Möglichkeit, Veränderung   darzustellen.  Der  Lack verändert sich, er arbeitet weiter und zeigt  so den Prozess der Alterung in den Gesichtern.  Inspiriert  haben ihn die Menschen, Städte und die Kunst Ruandas. „Es  ist  auch eine Spurensuche nach Vergangenheit, um  die  Gegenwart  zu  gestalten“, sagt Christophe.  Ihre  afrikanischen  Wurzeln verbinden Christophe und die neun anderen Künstler  der Reihe „Von  dort bis  hier“.  Sie  thematisieren  in ihren Werken ihr Leben in Deutschland, die eigene  Herkunft  und ihre persönlichen Erfahrungen in den jeweiligen Kulturen. Sie wollen zum Nachdenken anregen und eine Brücke bauen – von hier nach dort.

Hinweis: Eine der Autorinnen arbeitet  in der Galerie  Listros.  An der beschriebenen  Ausstellung  ist  sie nicht beteiligt.

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