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Bewerbung mit Hindernissen

Wenn sich ausländische Studenten an einer deutschen Universität bewerben, kommen sie an dem Verein uni-assist nicht vorbei. Doch das Verfahren ist vielen ein Dorn im Auge. Von Melanie Böff

Illustration: Luise Schricker

Illustration: Luise Schricker

Deniz sitzt in der Wohnung seines Bruders in Mitte und drückt erleichtert die Enter-Taste seines Laptops. Nach Wochen der Vorbereitung hat er seine Uni-Bewerbungen abgeschickt. Für heute kann er das Browserfenster, mit der Adresse uni-assist.de schließen. In den vergangenen Wochen hat der 29-Jährige diese Seite sehr oft besucht.

Deniz kommt aus Istanbul. Dort hat er seinen Bachelor in Öffentlicher Verwaltung gemacht. Seinen Master will er in Deutschland machen. Zurzeit wohnt er bei seinem Bruder, der schon länger in Berlin lebt und an der TU studiert hat. Er hat sich damals direkt bei der Zulassungsstelle der TU beworben, den 2003 gegründete Verein uni-assist gab es da noch nicht.

Ohne uni-assist läuft nichts

Uni-assist prüft für mehr als 160 Hochschulen in Deutschland die Bewerbungen aus dem Ausland. Auch die FU hat die Prüfung der Unterlagen ausländischer Bewerber an den Verein ausgelagert. Im Auftrag der Unis bewerten die Mitarbeiter die ausländischen Zeugnisse der Bewerber danach, ob sie zu denen der deutschen Bewerber gleichwertig sind.

Für die Unis ist die Dienstleistung kostenlos. Dafür werden die Bewerber zur Kasse gebeten. 75 Euro ist der Preis für die Bewerbung an einer deutschen Uni für bis zu zwei Studiengänge. Die Prüfung von Bewerbungsunterlagen für jede weitere Universität kostet 15 Euro. Gezahlt wird per Vorkasse. Ob eine Bewerbung letztendlich erfolgreich ist oder nicht, hängt davon nicht ab. Für manche Bewerber stellen diese Gebühren hohe Hürden dar, wie Deniz erzählt: „Eine Freundin von mir muss extra arbeiten gehen, um sich die Bewerbungen leisten zu können.“

Uni-assist verlangt außerdem beglaubigte Bewerbungen in Deutsch oder Englisch – übersetzt von vereidigten Übersetzern. Alles Kosten, die noch hinzukommen. Laut uni-assist stehe es den Hochschulen frei, die Gebühren für ihre Bewerber zu übernehmen oder sie auf diese abzuwälzen. Aus Haushaltsgründen hat sich die FU dazu entschieden, die Kosten für ihre ausländischen Bewerber nicht zu übernehmen, so teilt das Präsidium mit. Die Zusammenarbeit mit uni-assist sei zudem günstiger, da die Bewerber nur an einer Stelle die erforderlichen Zeugnisse einreichen müssten. „Die Kosten für beglaubigte Kopien, Übersetzungen und für Porto reduzieren sich erheblich“, heißt es von offizieller Stelle.

Effizient und kundenfreundlich?

Zum Ziel hat sich der Verein gesteckt: „Die Zulassung internationaler Studieninteressierter einfacher, effizienter, kostengünstiger und vor allem kundenfreundlicher zu gestalten.“ Als Deniz diese Selbstbeschreibung noch einmal liest, muss er lachen: „Der Aufbau der Internetseite ist katastrophal!“ Versuche man es telefonisch, erwarten einen lange Minuten in der Warteschleife. Das Gesicht eines Mitarbeiters von uni-assist erblickt ein Bewerber nie – der Verein ist nur schriftlich oder über die Hotline zu erreichen. Selbst dann, seien die Mitarbeiter oft unzureichend informiert. Als Deniz schließlich einen Berater am Telefon erwischte, wusste dieser nicht, welche Universität welche Unterlagen verlange. Also musste er doch bei der Hochschule nachfragen, um sich im Anschluss wieder an uni-assist zu wenden. Kundenfreundlich klingt anders. „Ich habe kein Problem damit, für die Arbeit von uni-assist zu bezahlen. Aber dann muss ihr Service auch besser sein als jetzt“, ärgert sich Deniz.

Dem Asta ein Dorn im Auge

Mehr und mehr rückt das problematische Verfahren in den Blick der Öffentlichkeit. In einer Sitzung des Akademischen Senats Mitte Juni sprach der Asta der FU seine Kritik aus: Deutsche und ausländische Bewerber würden durch verschiedene Verfahren und Kosten nicht gleichbehandelt. Die Bearbeitung sei völlig intransparent – wer sich über uni-assist bewirbt, habe schlechtere Karten als alle anderen Bewerber. Der Asta nennt das Verfahren „eine rassistisch anmutende Bewerbungspraxis.“ Die FU fordert er auf, sofort den Verein zu verlassen.

Das Präsidium kann die Kritik des Astas nicht nachvollziehen:Es handelt sich dabei weniger um schwerwiegende Vorwürfe als um Unkenntnis“. Das Konzept von uni-assist als zentrale Anlaufstelle für internationale Studierende sei zielführend und erfolgreich, teilt ein Sprecher mit. Studierendenvertreter berichten von anderen Erfahrungen: „Es gab Bewerbungen, die scheiterten, weil uni-assist erst nach Ablauf der Bewerbungsfrist mitteilte, dass Unterlagen unvollständig seien. Vorher hätten eventuell fehlende Unterlagen leicht nachgereicht werden können“, erklärt der Asta.

Deniz glaubt, alle Unterlagen vollständig abgeschickt zu haben. Ob diese von uni-assist abgesegnet werden und er ab dem Wintersemester in Berlin studieren kann, weiß er noch nicht – er wartet noch auf Antwort.

Ein Kommentar

  • Dem Artikel kann erfahrungsgemäß inhaltlich nur vollständig zugestimmt werden. uni-assist verlangt etwa von Österreichern Sprachzeugnisse (!), behält sich pro Dokument vier bis sechs Wochen Bearbeitungsdauer vor, die Sachbearbeiter sind telefonisch nicht zu erreichen und auf Beschwerden reagiert man nach Wochen mit Vordrucken. Die Vereinsträger – Hochschulrektorenkonferenz und DAAD – antworten auf Anfragen entweder gar nicht, oder wollen nichts dagegen machen können. Im Grunde ist dieses Geschäftsmodell (75 Euro pro Bewerbung) gewerbsmäßiger Betrug und die Teilnahme Mittäterschaft.

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