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Der Neue unter Alt

Kaum jemanden überziehen die Studentenvertreter mehr mit Schmähungen als Klaus Hoffmann-Holland. Der Jura-Professor ist seit kurzem neuer Vizepräsident an der FU. Von Florian Schmidt und Max Krause

Klaus Hoffmann-Holland vor sseinem neuen Büro in der Kaiserswerther Straße

Klaus Hoffmann-Holland vor dem Präsidialamt in der Kaiserswerther Straße. Foto: Christoph Spiegel

Wenn Klaus Hoffmann-Holland aus dem Fenster blickt, weiß er, wofür er arbeitet. Zwei riesige Flaggen mit dem Logo der Freien Universität flattern direkt vor seinem neuen Büro in der Kaiserswerther Straße 18. Hier, in den ersten Stock des Präsidialamts, ist der 43-jährige Jura-Professor im Sommer eingezogen. Als Vizepräsident für Studium und Lehre hält er für die nächsten vier Jahre alle Fäden in der Hand, die mit der Ausbildung der rund 35.000 FU-Studenten zu tun haben.

Der Neue im Team von Präsident Peter-André Alt empfängt mit Mineralwasser und Kaffee. Das tailliert geschnittene weiße Hemd sitzt perfekt. Auf einen Schlips, wie er ihn sich zu wichtigen Sitzungen schon einmal etwas schlampig umbindet, verzichtet er im Alltag. Wenn er redet, lächelt er freundlich, er wirkt sympathisch. Kaum nachvollziehbar scheint das Bild, das einige studentische Hochschulpolitiker von ihm zeichnen.

Für viele von ihnen ist Hoffmann-Holland ein Albtraum. Als „konservativen Hardliner“ bezeichnen sie ihn, als „Bluthund des Präsidiums.“ In einer Resolution des Studierendenparlaments vom Mai heißt es: „Dass ausgerechnet diese Person den Bereich Studium und Lehre betreuen soll, lässt uns fassungslos zurück.“ Dem neuen Vize macht die harsche Kritik wenig aus. Lediglich der „Bluthund“ trifft ihn anscheinend doch. „Diesen Begriff fand ich nicht passend“, sagt er.

Hoffmann-Holland greift zu seinem Wasser, er schaut sich in seinem Büro um. Das Zimmer wirkt aufgeräumt, fast schon steril. Weder stapeln sich Bücher auf der Fensterbank, noch liegen dicke Aktenordner auf den Tischen. Wer auf dem Parkettboden den Raum durchquert, hört seine Schritte nachhallen. Dass Hoffmann-Holland einmal hier, an der Spitze der FU, landen würde, war nicht abzusehen.

Nach dem Abitur im Saarland wollte er eigentlich Musik studieren. Erst während seines Zivildienstes rang er sich durch zu Jura. Damals betreute er Menschen mit schweren Behinderungen. „Da habe ich gemerkt, dass ich mich gerne für die Rechte anderer Menschen einsetze“, sagt er. 1993 begann er in Saarbrücken zu studieren. Das erste Staatsexamen legte er früher als die meisten seiner Kommilitonen ab. Später wechselte er nach Marburg, anschließend nach Gießen.

Im Jahr 2000 veröffentlichte er seine Dissertation, damals noch unter dem Namen Klaus Hoffmann. „Den Namen meiner Frau habe ich erst später angenommen“, erklärt er. Der Grund: Verwechslungsgefahr. „2001 musste ich mir bei einer Tagung einmal die Redezeit mit einem Psychiater vom Bodensee teilen – weil wir denselben Namen hatten.“

Es folgten Anstellungen als Richter in Rheinland-Pfalz und Lehraufträge in Kriminologie, unter anderem im englischen Warwick. Zwei Jahre nach seiner Habilitation im Jahre 2005 nahm er 2007 den Ruf an die Freie Universität an. „Hoffmann-Holland ist ein Karrierist“, sagt Marten Brehmer, der ihn als studentischer Vertreter der Jusos im erweiterten Akademischen Senat (AS), dem wichtigsten Gremium der Uni, kennengelernt hat. „Auch an der FU ist er die Leiter schnell hinaufgeklettert.“

2011, kaum drei Jahre nach seiner Berufung saß der Jura-Professor zum ersten Mal im AS, drei weitere Jahre später ist er nun einer der vier FU-Vizepräsidenten. „Das neue Amt ist für ihn nur der nächste Karriereschritt“, sagt Brehmer. „Ein intrinsisches Interesse an der Verantwortung für Studium und Lehre hat er nicht.“

So oder so ähnlich reden viele studentische Hochschulpolitiker über Hoffmann-Holland. Mit einigen geriet der Jurist während seiner Zeit im AS in Streit; zum ersten Mal krachte es bei der Debatte um die Rahmenstudien- und Prüfungsordnung (RSPO) vor zwei Jahren. Damals blockierten Studierende mehrere AS-Sitzungen, um sich gegen neue Regulierungen zur Wehr zu setzen. Am stärksten entzündete sich der Konflikt an den Vorgaben zu Prüfungswiederholungen und zur Anwesenheitspflicht. „Damals ist Hoffmann-Holland als absoluter Hardliner aufgetreten“, sagt ein Asta-Mitglied. „Er hat stets am lautesten nach strengeren Regeln für die RSPO gerufen.“

Fragt man den neuen Vizepräsidenten nach dieser Zeit, bekommt man eine andere Geschichte zu hören. „Ich war nie für eine allgemeine Anwesenheitspflicht. Und ich bin auch kein konservativer Hardliner“, sagt er. Er klopft mit den Fingern auf den Glastisch. „Daran sehen Sie, wie schnell sich in der hochschulpolitischen Landschaft falsche Gerüchte verbreiten.“ Seiner Aussage zum Trotz: Als der AS im März 2013 über die RSPO entscheidet, sorgte Hoffmann-Holland mit der professoralen Mehrheit für die Weiterführung der Anwesenheitspflicht.

Entsprechend groß war der Unmut der Studierenden, als er im Mai dieses Jahres seine Kandidatur für das Amt des Vizepräsidenten bekannt gab –nicht zuletzt deshalb, weil er als Verfechter der Vorherrschaft der Professoren im AS gilt. Die vergleichsweise geringe Anzahl von Studierenden in dem Gremium hält er nicht für problematisch und verweist auf die öffentlich tagende Kommission für Lehrangelegenheiten (KfL): „Dort stehen den Studierenden sogar 50 Prozent der Sitze zu.“ Dass die KfL keine Entscheidungen treffen kann, erwähnt er nicht. „Hoffmann-Holland rühmt sich gerne, den Austausch mit Studierenden zu suchen“, sagt Marten Brehmer. Zu Ergebnissen hätten diese Gespräche aber nie geführt. „Wenn er die KfL so wichtig findet, warum ist er dann dort vor seiner Wahl zum Vize nie aufgetaucht?“

Der Ton zwischen den Studi-Vertretern und dem neuen Vize ist ruppig. In seiner neuen Position muss sich Hoffmann-Holland allerdings nun anderen Dingen als dem gepflegten Streit widmen. Wichtige Umbrüche stehen an, etwa bei der Umstrukturierung der Lehramtsfächer. Stark wird ihn auch die Entwicklung eines Studium Generale beanspruchen, das neuen Erstsemestern eine Orientierungsphase bieten soll.

Ob er sich vorstellen kann, diese Ziele auch als Präsident der FU zu verwirklichen? Hoffmann-Holland lacht. „Nein, aktuell ist das kein Thema“, sagt er. „Ich fange ja gerade erst als Vizepräsident an. Außerdem arbeite ich gern im jetzigen Präsidium unter der Leitung von Professor Alt.“ Ausschließen will er es aber nicht, in einigen Jahren Alt zu beerben. Für Hoffmann-Holland wäre der Umzug ins Büro des Präsidenten keine allzu große Umstellung – zumindest was die Aussicht angeht. Auch vor den Fenstern des Präsidentenbüros wehen zwei FU-Flaggen.

 

 

 

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