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Studentischer Protest im AS eskaliert

Aufgeheizte Stimmung im Akademischen Senat: Studierende haben dem Präsidium zu geringes Engagement für Flüchtlinge vorgeworfen. Während des Protests kam es zu einem Handgemenge. Von Alexandra Brzozowski und Corinna Schlun

Im Akademischer Senat wird der Ton wird rauer. Foto: Julian Daum (Archiv)

Im Akademischer Senat wird der Ton rauer. Foto: Julian Daum (Archiv)

Eigentlich hatte der Akademische Senat (AS) am 9. Dezember über den Haushaltsplan und neue Studiengänge beraten wollen. Doch zu Beginn der Sitzung forderten die studentischen Vertreter Matthias Bartelt und Marcel Eggersdorf die Universitätsleitung in einer Erklärung dazu auf, aktiver auf die Problematik der Flüchtlingskrise zu reagieren. Als Vizepräsidentin Schäfer-Korting, die den abwesenden FU-Präsidenten Alt in der Sitzungsleitung vertrat, danach wie gewohnt fortfahren wollte, kam es zu einer Protestaktion von Studierenden. Die Situation eskalierte schließlich, als eine geplante Showeinlage daneben ging.

Sekt für alle

Eine Gruppe von knapp 40 Aktivisten störte die Sitzung mit klassischer Musik. Daraufhin betraten vier als Kellner verkleidete Studierende mit einem Getränkewagen den Sitzungssaal und begannen Sektgläser an die Mitglieder des Gremiums zu verteilen.

Die Situation eskalierte, als einer von ihnen den Inhalt eines voll beladenen Tabletts über Prof. Schiller schüttete und sein Sitznachbar Prof. Aschenbach dem Studierenden kurzerhand ein Sektglas ins Gesicht kippte. Es folgte ein lautstarkes Wortgefecht. Die betroffenen Professoren unterstellten dem Aktivisten, sie absichtlich begossen zu haben und forderten sie auf, das aus ihrer Sicht „unangemessene und peinliche Spektakel“ zu beenden.

Um die Situation zu retten, schlug Prof. Blechinger-Talcott eine Diskussionsrunde vor. Die eigentliche Sitzung wurde daraufhin für 30 Minuten unterbrochen und eine offene Diskussionsrunde einberufen. Trotz Widerstand von Seiten der Professoren, bestanden die Aktivisten darauf, die Diskussionsmoderation zu übernehmen. „Das ist unsere einzige Möglichkeit auf eine wirkliche Mitsprache, ansonsten passiert hier einfach gar nichts und das Präsidium macht, was es will“, erklärte einer der Aktivisten. Sie übergaben eine Liste mit 1481 Unterschriften zu den Beschlüssen der studentischen Vollversammlung, um deren Rückhalt zu verdeutlichen. AS-Mitglieder mussten sich auf eine Redeliste setzen lassen, um zu Wort zu kommen.

Hohe Hürden und verhärtete Fronten

Die Studierenden warfen dem Präsidium vor, das neue Welcome@FU-Projekt stelle weiterhin zu hohe Hürden für die Bewerber. Flüchtlinge müssten eine Hochschulzugangsberechtigung und den Aufenthaltstitel vorlegen, was in vielen Fällen nicht möglich sei. So wären derzeit nur 119 Flüchtlinge am Programm beteiligt, obwohl 280 ihr Interesse bekundet hätten. Das Willkommensprogramm sei letztendlich nur ein „Alibiprogramm“, so der Vorwurf der Aktivisten.

Matthias Kuder, Vertreter der sonstigen Mitarbeiter, widersprach mit dem Hinweis auf das Engagement vieler Uni-Angehöriger und nannte die Vorwürfe der Aktivisten „beschämend“. Zudem wurde den Aktivisten vorgeworfen, eine „Front“ zwischen den Angehörigen der FU aufzumachen, obwohl alle Beteiligten gleichermaßen für ein größtmögliches Engagement für Flüchtlinge seien. Die Studierenden äußerten hingegen wiederholt Zweifel, dass alle Möglichkeiten seitens der Uni-Leitung ausgeschöpft würden.

Leere Villen als Unterkünfte?

Sie forderten deshalb auch, leerstehende Villen als Notunterkünfte freizugeben. Im Vergleich zu den menschenunwürdigen Zuständen  in den Massenunterkünften seien die Gebäude geeigneter, da sie ohnehin nicht genutzt würden. FU-Kanzler Lange wies diesen Vorstoß jedoch zurück: „Wir können nicht die Aufgaben von anderen Institutionen der Stadt übernehmen.“ Als Grund nannte er zudem rechtliche Probleme: Die Gebäude dürften nicht einmal für Büroarbeiten genutzt werden, für Zwecke wie Notunterbringung seien sie erst recht nicht zugelassen, so Lange.

Auf den Hinweis, dass die Aktivisten auf eigenes Betreiben einige der Gebäude angesehen hätten und seine Sicht nicht teilten, konterte er: „Wir haben Ihnen nicht die Polizei auf den Hals gehetzt, obwohl wir darüber nachgedacht haben.“ Lange warf den Aktivisten vor, „nur ihr Ritual abziehen zu wollen“, anstatt selbst Teil des „Buddy-Programms“ zu werden, dem noch Kräfte fehlten.

Nach 30 Minuten musste die Diskussion von Vizepräsidentin Schäfer-Korting ohne Ergebnis abgebrochen werden. Die Aktivisten verteilten jedoch Einladungskarten an die AS-Mitglieder zu einem offenen Gespräch in der kommenden Woche und verließen daraufhin den Saal. Die Sitzung wurde nach der Tagesordnung fortgeführt.

Ein Kommentar

  • Ein Trauerspiel, dass die Gesprächskultur bereits ins Bodenlose abgleitet und man nicht einmal konstruktiv Problemlösungen diskutieren kann. Jeder will sich nur profilieren.

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