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Wer nicht vögelt, fliegt

Zielgruppe Studierende? Die Berliner Escort-Agentur Krypton hielt unser Magazin für die ideale Werbeplattform. Eine Anzeige haben sie nicht bekommen. Doch ihre Vorstellung von Erotik war uns einen zweiten Blick wert. Von Evelyn Toma

Illustration: Robin Kowalewsky

Illustration: Robin Kowalewsky

 

Auf dem Bildschirm räkeln sich junge Frauen in Unterwäsche. Ein weißer Balken verdeckt ihre Augen. „Lass dich ins geheime Paradies entführen“, lockt ein Schriftzug unter ihrem Körper. Eine von ihnen soll Julia sein. Sie ist Escort-Dame bei der Agentur „Krypton“. Das Besondere: Krypton vermittelt ausschließlich Studentinnen. Für eine Nacht oder auch länger.

Durch die Arbeit bei Krypton könne Julia sich einen gewissen Lebensstandard leisten. „Es ist einfach entspannter, nicht ständig über Geld nachdenken zu müssen“, sagt die junge Studentin. Für sie sei es sehr spannend, ständig neue Leute kennenzulernen „Außerdem habe ich viel Spaß am Sex.“

Das ist in ihrem Job auch eine Notwendigkeit. Wer nicht bereit ist, mit einem Kunden intim zu werden, hat bei Krypton Escort nichts verloren, meint die Agentur. Die Agentur – das heißt vor allem Alexander König. Der ehemalige FU-Student ist Manager des Escort-Services.

Über ihn läuft jegliche Kommunikation des Dienstes. Ob Julia wirklich Julia ist, bleibt deshalb unklar. Die Aussagen der jungen Studentin wurden ausschließlich über E-Mails der Agentur mitgeteilt. Ein direktes Gespräch mit einer Dame lässt Alexander nicht zu – angeblich aus Gründen der Anonymität.

Huschke Mau dagegen möchte selbst reden. Und vor allem nichts verbergen. Die ehemalige Prostituierte und Escort-Dame finanzierte ihr Studium durch Sex mit fremden Männern. Nach ihrem Ausstieg aus der Prostitution gründete sie den Verein „Sisters“, der Frauen unterstützt, die es ihr gleich tun wollen. Escort und Prostitution seien im Grunde das Gleiche, meint Mau. Sie sieht Julias Aussagen kritisch: „Es ist nicht so, als würden da zwei Menschen sitzen, die einanderattraktiv und sympathisch finden und sich entscheiden, geilen Sex zu haben und danach gibt’s auch noch Kohle.“

Bei Krypton gibt es von diesem Geld nicht zu wenig. Mindestens 250 Euro kostet ein zweistündiges Dinner, ein ganzer Tag bis zu 2600 Euro. Ein Drittel davon behält die Agentur. Wer so viel Geld ausgibt, hat gewisse Erwartungen. Das ist auch der Grund, warum ausschließlich Studentinnen vermittelt werden. „Die Damen müssen was im Kopf haben. Die Kunden wünschen sich eine Gesprächspartnerin auf Augenhöhe“, sagt Alexander.

Ex-Prostituierte Mau glaubt daran nicht: „Das ist keine Begegnung von Mensch zu Mensch, die Frau wird als Sexobjekt gekauft.“ Das Bild, Prostitution habe etwas mit Macht und Selbstbestimmung der Frau zu tun, hält sie für eine Illusion. Nach ihrer lang jährigen Erfahrung lautet ihr Urteil: „Prostitution hat immer etwas mit Demütigung zu tun.“

Julia sagt jedoch, etwas wirklich Unangenehmes habe sie noch nie erlebt. Manchmal stimme die Chemie zwischen ihr und dem Klienten aber einfach nicht. Dann hoffe sie nur, dass die Zeit bald herum sei. Dass es dabei bleibe, kann Mau sich hingegen nicht vorstellen: „Ich persönlich kenne keine Frau, die unbeschädigt in die Prostitution geraten ist und erst recht keine, die unbeschädigt wieder rauskam.“

2 Kommentare

  • Leicht verdientes Geld verdirbt die Moral; beim Sex wie in der kapitalistischen Wirtschaft und wenige Ausnahmen bestätigen die Regel.

  • Witzige Überschrift. Das Schlusswort finde ich nicht so gelungen. Ich habe Escort knapp zwei Jahre gemacht und wäre auch länger dabei geblieben, wenn ich nicht meinen jetzigen Freund kennengelernt hätte (wir sind immer noch zusammen), für den ich dann aufgehört habe. Mit etwas Abstand kann ich sagen, dass Escort nicht mehr und nicht weniger „kaputt“ macht als jede andere Job. Es ist auch eine Frage, die eigenen Grenzen zu kennen und dem Gegenüber kommunizieren zu können. Die meisten Männer, die ich getroffen habe, waren sehr nett, wenn ich auch viele körperlich nicht attraktiv fand.

    Bei der Hälfte der „Dates“ ging es um Sex. Die andere Hälfte war mit Dinner, Ausgehen, viel Unterhaltung. Wobei auch hier früher oder später Sex dazugehört hat, es stand nur nicht so im Vordergrund. Es gab auch Treffen ohne Körperkontakt, das war aber eher die Ausnahme. Generell hat es mich nicht gestört, wenn ein Mann mich als „Sexobjekt“ betrachtet hat und ich wüsste nicht was daran erniedrigend sein sollte, solange die Grenzen beachtet werden. Den Respekt der Männer fand ich eher höher als im real life. Anstregender war es, wenn ein Mann sich gewünscht hat, dass ich übermäßig die Freundin spiele und mich alle 3 Minuten gefragt hat, ob er mir einen Wunsch erfüllen kann.

    Insgesamt war es eine interessante Erfahrung, wobei ich viel über Männer gelernt habe (ihr seid wirklich so einfach gestrickt :-P) und der Verdienst ist natürlich toll gewesen. Es war für mich in den ersten Wochen nach dem Aufhören gar nicht einfach, meine Einkaufsliste wieder auf Normalmaß runterzufahren. Da solltet ihr etwas vorsichtig sein.

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