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Prüfer überprüfen!

Jedes Semester bewerten Studierende an der FU ihre Lehrveranstaltungen. Von den Ergebnissen hören sie meistens nie wieder etwas. Die Uni sollte die Evaluation besser nutzen, findet Max Krause.

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„Die Ergebnisse Ihrer Evaluation sind verfügbar.“ Diesen Satz durften viele Dozenten an der FU in den letzten Tagen lesen. Die Uni informiert sie jedes Semester, wie ihre Vorlesungen ankamen. Auswirkungen hat das kaum. Ob der Dozent auf Verbesserungsvorschläge eingeht oder die schlechten Bewertungen einfach im Papierkorb landen, liegt allein in seiner Hand – denn niemand sonst sieht die Ergebnisse.

Seit einigen Jahren gibt sich die FU Mühe, Verfahren zu schaffen, die helfen sollen, den Dozenten Feedback zu geben. Mehrere Fachbereiche wickeln das inzwischen online ab, anderswo werden in jeder Veranstaltung ausgedruckte Fragebögen verteilt. Die Resultate werden den Dozenten dann zugeschickt, die Studierenden erfahren davon nie etwas. Auch wie groß die Beteiligung ist, bleibt im Dunkeln.

Den Grund dafür gibt etwa das Evaluationsteam vom Fachbereich Erziehungswissenschaften: „Eine Veröffentlichung der Ergebnisse ist datenschutztechnisch nicht möglich.“ Denn wie gut vorbereitet ein Dozent ist, das fällt unter persönliche Daten – und darf nicht veröffentlicht werden.

Die Beteiligung sinkt und sinkt

So können sich Dozenten selbst schlechte Ergebnisse einfach schönreden: Die Studenten waren in diesem Jahr auch einfach besonders faul. Oder: Es haben so wenig Leute mitgemacht, dass das Ganze sowieso keine Aussage hat. Wenn sie denn überhaupt etwas darauf geben, wie ihre Lehre ankommt.

Besonders führt die geringe Beteiligung in einen Teufelskreis: Machen wenig Studierende mit, hat der Dozent nicht das Gefühl, etwas ändern zu müssen. Aber wenn die Studierenden dann sehen, dass die Auswertung nichts am Lehrverhalten verändert hat, erscheint es sinnlos, eine Evaluation zu machen, und die Beteiligung sinkt weiter.

Um aus diesem Denkmuster auszubrechen und eine Evaluation zu bekommen, die tatsächlich die Lehre an der FU verbessert, ist ein schwieriger Drahtseilakt nötig – man muss die Balance finden zwischen berechtigten Datenschutzproblemen und notwendiger Öffentlichkeit. Wüssten mehr Menschen über die Ergebnisse Bescheid, würde das den Druck erhöhen, gute Lehre zu machen.

Dennoch ist am Ende niemandem geholfen, wenn alles einsehbar wird und schlechte Dozenten an den Pranger gestellt werden. Öffentliche Demütigung sollte nicht das Ziel der Evaluation sein. Doch das heißt noch lange nicht, dass im Umkehrschluss niemand irgendetwas von den Ergebnissen wissen darf.

Positives Feedback durch ausgewählte Ergebnisse

Einige Institute und Fachbereiche gehen schon in die richtige Richtung. Am Fachbereich für Biologie, Chemie und Pharmazie wird jedes Semester ein „Preis für gute Lehre“ ausgestellt, der auf Evaluationsergebnissen beruht. Die Dozenten können freiwillig festlegen, dass ihre Ergebnisse für den Preisverleih zugänglich gemacht werden – sie geben ihre Daten frei.

Ein Weg, der FU-weit Schule machen sollte. Statt alles unter Verschluss zu halten, sollte die Universität ausgewählte Ergebnisse mit Zustimmung der jeweiligen Dozenten nutzen, um positives Feedback zu geben. Dass Belohnung stärker motiviert als Bestrafung, ist in der Pädagogik schließlich ein alter Hut. Wenn der Prof, der Wissen am besten vermittelt, dann auch noch mehr Geld und Privilegien bekommt, spornt das andere hoffentlich zu einem Wettkampf an. Auf lange Sicht könnte die FU ihrer Lehre so einen höheren Stellenwert einräumen.

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