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Protest gegen Unirahmenvertrag

Am Freitag haben rund 50 Studenten vor dem Berliner Büro der VG Wort gegen den neuen Unirahmenvertrag demonstriert. Sie kritisierten den drohenden Mehraufwand. Der VG Wort Geschäftsführer zeigte sich uneinsichtig. Von Marius Mestermann

Die Empörung ist groß, doch sie kommt spät. Erst mehrere Wochen nach der Unterzeichnung nimmt die Diskussion um den neuen Unirahmenvertrag richtig Fahrt auf. Mittlerweile ist das Thema in aller Munde, wurde auf Twitter zum „trending topic“ und erreichte am Freitagnachmittag auch den Gehweg vor dem Büro der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) in Berlin.

Dort protestierten rund 50 Studenten gegen den neuen Unirahmenvertrag. Dieser sieht vor, dass ab dem 01. Januar 2017 urheberrechtlich geschützte Inhalte vor dem Upload in Blackboard, Moodle und Co. einzeln registriert und abgerechnet werden müssen. Dozenten und Studenten fürchten einen erheblichen Mehraufwand in der Lehre.

„Absichtliche soziale Spaltung“

Jannis Hutt, Organisator der Demonstration, nannte die neue Regelung das „Gegenteil von Gerechtigkeit“. Seine Mitstreiterin Kim Zeuner spitzte die Problematik zu: „Bildung soll kein Privileg derer werden, die es sich leisten können.“ Das Schreckensszenario für Studenten sieht so aus: Lange Schlangen vor den Kopierern, abgenutzte Bücher, Papierchaos, teure Reader.

Emma Sammet, Sprecherin der Grünen Jugend Berlin hält das für einen Rückfall „in die Siebziger“. Fortschritte in Sachen Barrierefreiheit und dem Einsatz digitaler Lehrmethoden würden zunichtegemacht, sagte sie vor den Demonstranten. Mandy Gratz vom Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften warf der VG Wort und der Kultusministerkonferenz gar vor, durch das Aufbauen unnötiger Hürden eine „absichtliche soziale Spaltung an Unis“ herbeizuführen.

VG Wort gibt sich uneinsichtig

Robert Staats, Geschäftsführer der VG Wort, verließ zwar sein Büro und stellte sich der Kritik der Demonstranten. Dennoch zeigte er sich uneinsichtig. Die Einzelabrechnung seien eine „sehr gerechte Lösung“. Statt die Pauschalzahlungen der Länder auf alle Autoren zu streuen, könnten die Urheber je nach Nutzung ihrer Werke vergütet werden. Der Mehraufwand durch die Einzelerfassungen sei dabei „verhältnismäßig“ und „im Rahmen des Möglichen“. Man solle das neue Verfahren „erst mal probieren“ – dann könne man immer noch über Anpassungen reden.

Das überzeugte die Demonstranten offensichtlich nicht. Für den Fall, dass tatsächlich keine digitalen Inhalte mehr bereitgestellt werden, empfahl Redner Harry Liebs, Mitglied der Linkspartei: „Zieht euch alles, was ihr kriegen könnt, seid keine Einzelkämpfer.“ Radikaler war die Aufforderung von Mandy Gratz, die VG Wort mit „Faxbomben“, endlos langen Emails und Postkarten zu überschwemmen – da musste sogar Robert Staats grinsen.

Ein Kommentar

  • 50 Studenten haben ihren Arsch hoch bekommen und haben aktiv gegen die kapitalistische Krake protestiert. Respekt! Die Frage ist nur, wo waren die anderen gerade??!!

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