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Gender spielt eine Rolle

Welche Rollen spielen Gender und Geschlecht auf der Bühne? Rabea Westarp hat auf der Nachwuchstagung der Gesellschaft für Theaterwissenschaft einen Einblick in aktuelle Forschungsprojekte bekommen.

Wenn Musik und Körper verschmelzen tut Geschlecht nichts zur Sache. Foto: Pixabay

Inszenierung von Weiblichkeit, Rollenbilder und Stereotype auf der Bühne, der Begriff des Dandys und Rebellen – das Spektrum der im Steglitzer Institut für Theaterwissenschaften von Prä- und Postdoktorand*innen vorgestellten Themen war vielfältig. Umso deutlicher wurde im Laufe der Veranstaltung: Auch die oft als bunt, offen und tolerant dargestellte Welt der Theater- und Kunstschaffenden ist keineswegs frei von Sexismus und Diskriminierung.

Was für eine große Rolle das Geschlecht etwa seit jeher in der Musik spielt, darüber referierte Irene Lehmann. Noch bis zum 20. Jahrhundert waren Frauen in Orchestern so gut wie nicht vertreten – und wenn, dann nur unter strengen Bedingungen. Feste Verordnungen darüber, welche Instrumente von welchem Geschlecht gespielt werden durften prägten lange Zeit die auch heute noch von Männern dominierte Musiklandschaft. Die Wiener Philharmonie beispielsweise lädt erst seit 1997 Frauen überhaupt erst zum Probespiel ein. Zuvor wurden sie strategisch ausgeschlossen – mit der Begründung, durch von Schwangerschaft oder Menstruation bedingte Ausfälle könne es zu einem musikalischen Qualitätsabfall kommen. Blind Auditions beweisen das Gegenteil, doch noch immer sind Frauen in Orchestern eine deutliche Minderheit. „Man kann gespannt sein, wie sich das Feld weiter gestaltet“, prophezeit Lehmann und stützt ihren Vortrag mit einem hoffnungsfrohen Zitat der Künstlerin und Komponistin Jennifer Walshe: „Perhaps we are finally willing to accept that the bodies playing the music are part of the music.“

Wenn Frauen rebellieren

„Female masculinities im Pop“ lautet das Forschungsthema von Katharina Rost. Sie zeigt an berühmten Persönlichkeiten der modernen Popkultur auf, wie auch Frauen den vorwiegend maskulin besetzten Bezeichnungen des Gangsters, Rebellen oder Dandys gerecht werden – und wie diese wiederum in den Medien aufgefasst und bewertet werden. Neben einer Analyse der Popsängerin Lady Gaga, die vor einigen Jahren mit dem Auftritt als ihr männliches Alter Ego „Jo Calderone“ für Schlagzeilen sorgte, stellt sie die beiden Sängerinnen Janelle Monáe und La Roux gegenüber. Beide inszenieren sich durch ihre Kleidung, Frisuren, Haltung und Gestik gezielt androgyn und spielen mit Geschlechterstereotypen, die zuweilen an männliche Ikonen der Popkultur wie David Bowie erinnern. Die mediale Resonanz darauf ist recht eindeutig: Stets wird beiden Homosexualität unterstellt.

Erster Schritt: Bewusstsein schaffen

Nach jedem einzelnen der insgesamt 13 Vorträge lassen die Moderator*innen genügend Raum für Fragen der Teilnehmer*innen und Besucher*innen. Und das ist dringend erforderlich. Jedes Thema wird im Abschluss kritisch beleuchtet, reflektiert und im Plenum diskutiert. So steht abschließend fest: Auch wenn vielerorts in der Kunstbranche Diversity und Intersektionalität bei weitem zu kurz kommen und Diskriminierung zum Alltag gehört, mangelt es nicht an motivierten und informierten Menschen innerhalb dieser, die ein Bewusstsein dafür schaffen. Ein entscheidender erster Schritt auf dem Weg zu einer wahrhaftig freien Kunstwelt.

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