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Mein Döner hat mehr Inhalt

Jahr um Jahr versuchen Stupa-Listen mit denselben lahmen Witzen Studierende an die Wahlurnen zu locken. Diese Inhaltslosigkeit muss ein Ende haben, findet Anselm Denfeld.

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Während die Studierendenvertretung an der FU vor sich hindümpelt, droht Satire zum Selbstzweck zu werden. Im ohnehin schwachen Wahlkampf konnte man zwischen den mäßig geistreichen Wortspielen, zu denen sich fast alle Gruppen hinreißen ließen, inhaltlich nur geringe Unterschiede ausmachen. Auch in den Wahlergebnissen spiegelt sich die zunehmende hochschulpolitische Ideenlosigkeit wieder. Inhalte spielten bei den Wahlen keine größere Rolle als die griffigen Namen einiger Gruppen. Funktionierende Studierendenvertretung sieht anders aus.

Der Wahlkampf hatte schon inhaltslos begonnen. Drei Viertel der Listen setzten auf eine Verschleierung ihrer Ziele und gaben in der jährlichen Wahlzeitung nichts als ihren Namen bekannt. Dafür wurde lieber ein gemütlich im Baum schlummernder Koala anstelle der Statements gedruckt. Die Studierendenschaft schienen die Bärchen zu inspirieren: Nur jede*r Zehnte nahm den kräfteraubenden Gang zur Urne auf sich.

Die wenigsten Listen betrieben tatsächlich Wahlkampf und wenn doch, setzte selbst die Traditionsliste „FSI*OSI“ darauf, dass ihr seit Jahren verwendetes „Kein Gott! Kein Staat! Ini ich dir rat!“ in Kombination mit Yodas Gesicht durch den neuen Star Wars an Berechtigung gewönne. Während deren Wahlplakat zumindest mit dem Vermerk zu ihrem Blog mit Wahlzielen geziert war, setzten die meisten anderen Listen scheinbar nicht auf Anschlussfähigkeit.

Lieber Döner statt studentische Beratungen

Nicht nur die offene Satireliste „Die PARTEI“ wartete mit dem Spruch „Libertè, Egalitè, Fckafdè“ auf, dessen Ursprünge sich auf das Jahr 2014 datieren lassen. Auch die Konkurrenz „Jesus Listus“, die ihren Kandidaten im letzten Jahr symbolisch ans Kreuz gebunden haben, scheint zufrieden damit den gleichen Scherz schon wieder durchzuziehen. Aber immerhin haben Menschen, die gerne mehrmals über den selben Witz lachen, angemessene Vertreter*innen. Eine Satirepartei scheint auch die „FSI (Kunst-)Geschichte/Histo-Cafè“ geworden zu sein, die als Teil der überlegenen Asta-Koalition selbstbewusst mit dem Spruch „Opposition? Wir sind schon Demokraten!“ und Waffeln ins Rennen ging, ohne sich für Inhalte stark zu machen.

Den Höhepunkt setzte die Listen „Campus Döner“ und “Schawarma und Falafel auf dem Campus” mit dem absurden Ziel aus dem Studierendenhaushalt einen Dönerstand zu finanzieren. Letzterer wird vorgeworfen eine Tarnliste zu sein, die hungrige Wähler*innen für politische Zwecke abgreift. Eins ihrer Mitglieder hatte auch schon für die „Juso-Hochschulgruppe” kandidiert. Bisher wurden mit besagtem Etat Beratungen für benachteiligte Studierende unterstützt. Ob es sich bei “Campus Döner” um post-satirische Sinnlosigkeit, unrealistische Ziele oder eine weitere Tarnliste handelt, ist unklar. Dass die Studierenden der Liste genau wie „Jesus Listus“ einen Sitz und der Liste „Die PARTEI“ sogar zwei Mandate schenkten, bedeutet eine Depolitisierung ohnegleichen.

Lustige Sprüche locken nicht

Um Hochschulpolitik wieder populär zu machen braucht man eben mehr als nur lustige Sprüche einmal im Jahr. Denn auch die können die Studierenden scheinbar nicht an die Wahlurnen bringen. Dazu müsste das Studierendenparlament tatsächliche Erfolge vorweisen können. Damit ist in der ersten Sitzung des Jahres nicht zu rechnen, aber wenn auch in den nächsten Jahren keine Alternativen aufkommen, steht einer unpolitischen „Großen Dönerkoalition“ bald nichts mehr im Wege.

Wessen hochschulpolitischer Traum keinen Dönerstand auf Kosten Benachteiligter beeinhaltet, muss die Studierendenvertretung wohl selbst in die Hand nehmen. Das betrifft auch dich? Listen für die nächsten Wahlen zum Studierendenparlament kann jede*r anmelden. Wir sehen uns dann im nächsten Wahlkampf, aber bitte mit Inhalt.

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