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FU will CDU-Parlamentarier Doktortitel entziehen

Frank Steffel wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe in seiner Dissertation getäuscht. Leon Holly über die Plagiatsaffäre.

Frank Steffel bei einer Wahlkampfveranstaltung; Foto: Oliver Wolters / Wikipedia Creative Commons

Dem Reinickendorfer Bundestagsabgeordneten Frank Steffel könnte noch vor Beginn des Wintersemesters die Doktorwürde entzogen werden. Bereits Ende Mai erhob die Internetplattform „VroniPlag“ den Vorwurf, Steffel habe in seiner Dissertation mehrere wörtliche Zitate nicht korrekt gekennzeichnet. Ein Prüfungsgremium des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften hat sich nun für die Entziehung des Titels ausgesprochen. In letzter Instanz entscheidet jedoch die Hochschulleitung.

Übernahme von Literatur nicht kenntlich gemacht

Erhoben wurden die Vorwürfe von „VroniPlag“-Gründer Martin Heidingsfelder. Dessen Geschäftsmodell sieht wie folgt aus: Kund*innen können gegen Bezahlung die Dissertationen promovierter Parlamentarier*innen einreichen, welche Heidingsfelder dann auf Plagiate untersucht. Dem Tagesspiegel ließ er eine Liste mit neun Stellen zukommen, in denen Steffel unsauber gearbeitet haben soll. Mal gibt dieser seine Quellen zwar an, macht aber nicht den kompletten Umfang der Übernahme der Ursprungstexte deutlich – an weiteren Stellen fehlen Verweise auf andere Autor*innen komplett.

Steffel hatte seine Doktorarbeit an der FU im Jahre 1999 zum Thema „Bedeutung und Entwicklung der Unternehmer in den neuen Bundesländern nach der Deutschen Einheit 1990“ verfasst. Damals saß der CDU-Mann noch im Berliner Abgeordnetenhaus und führte nebenbei ein mittelständisches Raumausstattungs-Unternehmen. Die Plagiatsvorwürfe weist der 52-Jährige zurück und kündigte sogar rechtliche Schritte an, sollte ihm der Doktortitel tatsächlich aberkannt werden. „Frank Steffel rechnet mit einer langjährigen juristischen Auseinandersetzung“, lässt er über einen Sprecher mitteilen.

Korrekt gearbeitet oder bewusst getäuscht?

Sein Doktorvater Dietrich Winterhager stellt sich indes schützend vor Steffel. Er könne keine Täuschungsabsicht erkennen. Die Arbeitsweise habe seinen Anforderungen entsprochen und sei damals im gesamten Fachbereich üblich gewesen. Heidingsfelder zeigt sich davon wenig überzeugt. Im Gespräch mit FURIOS sagt er, Steffel habe bewusst gehandelt und fordert ihn gar auf, sein Bundestagsmandat niederzulegen: „Er ist mit dem Doktortitel in den Bundestag gewählt worden. Das ist Wählertäuschung! Wie kann man ihm noch vertrauen?“

Doch auch die Universitäten sieht der Plagiatsprüfer in der Pflicht, die Qualitätsprüfungen von Dissertationen zu verbessern. Bisher obliegt diese den Doktorvätern und -müttern. „Es wäre sinnvoll, geschulte Fachleute einzusetzen, um die Arbeiten auf wissenschaftliche Standards zu prüfen“, fordert Heidingsfelder. Die Entscheidung, ob Steffel seinen Titel tatsächlich verliert, liegt nun bei FU-Präsident Günter M. Ziegler. Das letzte Wort scheint aber auch damit noch nicht gesprochen.

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