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So tickt der neue Vizepräsident

Hauke Heekeren ist im Präsidium der neue wichtige Mann für die Studierenden. Welche Erwartungen kann er erfüllen? Lucian Bumeder und Antonia Böker haben ihn vor seiner Wahl getroffen.

Hauke Heekeren empfängt in seinem Büro. Der neue Vizepräsident gibt sich lässig.
Foto: Lucian Bumeder

Hauke Heekeren hat sich Zeit genommen für das Gespräch. Der neue Vizepräsident für Studium und Lehre gibt sich entspannt und höflich. Er ist bemüht, sein Versprechen, mit den Studierenden in Kontakt zu treten, auch außerhalb seines Amtes zu erfüllen. Denn die Erwartungen sind hoch.

Bis vor einem halben Jahr konnte er nicht damit rechnen, zum neuen starken Mann für Studienfragen an der FU zu werden. Dann scheiterte Beate Koksch, die vorherige Favoritin des neuen Präsidenten Ziegler, in der Wahl. Der erweiterte Akademische Senat (eAS), das zahlenmäßig für Wahlangelegenheiten vergrößerte bedeutendste Gremium der Universität, ließ sie im Juli auflaufen – und mit ihr Günther Ziegler. Der Präsident, welcher stets das Vorschlagsrecht für seine Vizepräsident*innen (VP) besitzt, musste so noch weitere vier Monate darauf warten, sein Präsidium vervollständigt zu sehen. Bis eben Heekeren kam.

Der Richtige Mann für den richtigen Job

Proporzkriterien spielen bei der Besetzung des Präsidiums eine entscheidende Rolle. Einer der VP-Posten muss dabei von einem Mitglied der medizinischen Fakultät besetzt werden. Darüber hinaus stehen der Vereinten Mitte, als größter professoraler Liste im Senat, neben dem Präsidentschafts-Posten und dem ersten Vizepräsidenten (VP1), noch ein weiteres Amt zu. Heekeren scheint prädestiniert dafür zu sein. All die Sachen treffen auf ihn zu.

Zu seinen Kompetenzen gehöre es, offen zu sein, wie er selbst sagt: „Ich kann gut zuhören und versuche, die verschiedenen Sichtweisen zu verstehen, damit ich die unterschiedlichen Interessen in meiner Arbeit berücksichtigen kann.” Außerdem besäße er Erfahrung in hochschulpolitischen Prozessen und im akademischen Wettbewerb. Heekeren sieht sich geeignet für die anstehenden Aufgaben.

Wie auch sein Chef Ziegler setzt Heekeren auf eine bemüht kommunikative Herangehensweise, wenn es um die Belange der Studierenden geht. Über alles reden zu können, war eine Botschaft, die nicht nur von Heekerens Vorstellung im eAS ausging – sondern auch im Zuge der Präsidentschaftswahl häufig zu hören war. Ein neues, junges Präsidium, das den Studierenden doch eigentlich relativ nah sei. Es scheint, als wollen sie geschlossen sagen: Es ist an der Zeit, die Kämpfe der Vergangenheit zur Seite zu legen und jetzt gemeinsam nach vorne zu blicken.

Ablehnung vs. Wertschätzung

Die Studierendenvertreter*innen sehen das jedoch anders. Wenig Willen zu „substantiellen Problemlösungen im Bereich Studium und Lehre” hätte Heekeren im Vorfeld erkennen lassen, teilen die Studierenden im AS mit. Für sie geht es nicht um Reden, sie wollen harte Änderungen: „Ein Kandidat, der nicht bereit ist, die RSPO (Rahmenstudien- und Prüfungsordnung, Anm. d. Red.) zu novellieren, nimmt in Kauf, dass Studierende mit Kind oder in Pflegeverantwortung und berufstätige Studierende durch Anwesenheitspflicht und begrenzte Prüfungsversuche erheblich daran gehindert werden, ihr Studium erfolgreich abzuschließen.” Die RSPO ist seit ihrer Verabschiedung 2013 aufgrund der verschärften Studienbedingungen erklärtes Hauptziel mehrerer Generationen gewählter Studierendenvertreter.

Als designierter Studierenden-Ansprechpartner im Präsidium könnte das ein Problem werden. Dass er keinen akuten Grund sehe, die RSPO zu verändern, hatte Heekeren schließlich auch bei seiner Vorstellung im eAS verdeutlicht. Gleichwohl will er jedoch neue Formate des Austausches finden. So wünsche er sich, ein regelmäßiges Treffen mit den Studierendenvertreter*innen, zunächst zweimal im Semester. Dieser Prozess solle dann am liebsten auch für alle Studierenden geöffnet werden: „Wenn jemand kritische und konstruktive Beiträge hat, dann möchte ich diese gern hören, völlig unabhängig davon, ob es sich dabei um ein gewähltes Mitglied eines Gremiums handelt oder nicht.”

Wie viel sind die Worte wert? 

Hört man sich an Heekerens Institut um, dürfte sich der bisherige Dekan für Erziehungswissenschaften und Psychologie durchaus bestätigt fühlen. Als „zugänglich und locker” beschreibt ihn der Masterstudierende Caedyn Lachlan und lobt seinen persönlichen Umgang mit Studierenden. Der Neurobiologe korrigiere Fehler bestimmt, aber stets respektvoll. Ein anderes Bild zeichnen wiederum die Studierendenvertreter*innen im AS, nach deren Informationen Heekeren als Dekan „wenig kompromissbereit aufgetreten” sei.

Heekeren wird sich gemeinsam mit dem gesamten Präsidium an seinen Aussagen messen lassen müssen, um auch die Kritiker*innen in einen Austausch bringen zu können. Die Wortgewandtheit und das Selbstbewusstsein dafür bringt er mit. Spannung verspricht die Frage, zu wie viel Ausgleich beide Seiten letztlich bereit sein werden. Das liegt nicht nur in seiner Hand.

In einem Aspekt hat er indes bereits verloren, ohne dass er Schuld daran trägt: Er ist keine Frau. Weite Teile der Universität hätten sich zwar eine weibliche Besetzung der Position gewünscht, um ein von den Geschlechtern her ausgewogenes Präsidium zu sehen, wie Heekeren sagt. Doch nach Kokschs missglückter Wahl wäre einfach keine Kandidatin mit ähnlichem Profil verfügbar gewesen. Nun macht er es.

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